August Macke und Bonn
August Macke wurde 1887 in Meschede geboren, wuchs aber in Bonn auf und kehrte immer wieder hierher zurück. Das Haus am Hochstadenring 36 – damals Hochstadenstraße 36 – war sein Wohnhaus und Atelier, hier entstanden einige seiner wichtigsten Werke. Als er 1914 im Ersten Weltkrieg fiel, war er 27 Jahre alt. Das Haus blieb, die Kunst blieb, und irgendwann wurde der Ort selbst zum Museum.
Das Viertel drumherum trägt heute seinen Namen. Das Macke-Viertel in der Bonner Nordstadt ist eine dieser Gegenden die langsam aufgewertet wurden und dabei trotzdem irgendwie bodenständig geblieben sind. Zwischen Cafes und alten Altbauten wirkt das Museum nicht deplatziert sondern verwachsen mit dem Kiez.
Macke und Max Ernst – eine unerwartete Begegnung
Die Sonderausstellung 2026 bringt zwei Künstler zusammen die stilistisch kaum unterschiedlicher sein könnten: Macke, der Lyriker des deutschen Expressionismus mit seinen leuchtenden Farben und heiteren Szenen, und Max Ernst aus Brühl, der sich vom Expressionismus wegbewegte in Richtung Dada und Surrealismus.
Was sie verbindet ist die Gleichzeitigkeit. Beide lebten im Rheinland in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, beide bewegten sich in Kreisen die über Deutschland hinausdachten, beide kannten die Aufbruchsstimmung der frühen Avantgarde. Der Krieg beendete Mackes Leben und veränderte Ernst so nachhaltig dass er nie mehr derselbe war. Diese gemeinsame Epochenschwelle ist das eigentliche Thema der Ausstellung.
Die Schau läuft bis Ende August, öffentliche Führungen finden sonntags um 11:30 Uhr statt. Das Format funktioniert gut, weil das Haus klein genug ist um eine Führung persönlich zu halten und groß genug um dem Thema Raum zu geben.
Die Dauersammlung
Im Kern zeigt das Museum das Werk August Mackes, eingebettet in den Kontext seiner Zeit und seines Lebens in Bonn. Nicht nur Gemälde, auch Zeichnungen, Skizzen, Briefe. Das macht die Sammlung interessant über den reinen Kunstbetrachter hinaus. Man versteht wie jemand gearbeitet hat, was ihn beschäftigt hat, wie sich eine künstlerische Persönlichkeit entwickelt.
Daneben zeigt das Haus regelmäßig Sonderausstellungen die den Blick auf die Gegenwartskunst öffnen. Der Ansatz ist bewusst, das Museum will keine Gedenkstätte sein sondern ein lebendiger Ort der Auseinandersetzung mit künstlerischem Denken.
Cafe und Umgebung
Das Cafe im Haus hat eingeschränkte Öffnungszeiten, mittwochs bis sonntags ab Mittag. Kein Museumscafe im großen Stil, eher ein Ort zum kurz Durchatmen nach dem Rundgang. Die Nordstadt drumherum bietet genug weitere Optionen, das Viertel ist gastronomisch gut bestückt.
Wer das Museum besucht und noch Zeit hat: Der Hochstadenring lässt sich gut zu Fuß entlanggehen, die Galerie Gisela Clement ist nicht weit, das Künstlerforum ebenfalls. Für einen Kunstnachmittag in der Nordstadt bietet sich das als Route an.
Eintritt und Öffnungszeiten
Das August Macke Haus ist dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, donnerstags bis 21 Uhr, samstags und sonntags ebenfalls von 11 bis 17 Uhr. Montag ist Ruhetag. Der Eintritt für die Dauersammlung ist moderat, für Sonderausstellungen können abweichende Preise gelten. Gruppen und Schulklassen können vorab Führungen buchen.
Sonntags um 11:30 Uhr findet eine öffentliche Führung durch die aktuelle Sonderausstellung statt – ohne Voranmeldung, einfach auftauchen. Das ist ein gutes Format um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, gerade wenn man mit Kunst nach 1900 noch nicht so vertraut ist.
Warum das Museum trotz seiner Kleinheit funktioniert
Das August Macke Haus ist kein großes Museum und will es auch nicht sein. Was es hat ist eine sehr klare Identität: Dieser Ort ist mit dem Leben und Werk eines konkreten Künstlers verbunden, und man spürt das beim Besuch. Die Räume sind überschaubar, der Rundgang dauert keine drei Stunden, und am Ende weiß man wer August Macke war und warum er noch heute wichtig ist. Das schafft nicht jedes Museum dieser Größe.
Die Entscheidung, Sonderausstellungen nicht isoliert zu zeigen sondern immer in einen Dialog mit Macke zu bringen – wie 2026 mit Max Ernst – gibt dem Haus ein konzeptionelles Profil. Man kommt nicht um eine einzelne Schau zu sehen, sondern um den Ort besser zu verstehen. Das Macke Haus ist ein Kunstmuseum das wirklich versucht, Kunst zu erklären. Nicht zu erklären-erklären in der schlechten Art, sondern durch Kontext und Gegenüberstellung.
Für Bonner ist es außerdem ein schöner Anlass das Macke-Viertel zu erkunden, das seinen Namen nicht zufällig trägt. Mehrere Straßen in der Nordstadt sind nach Expressionisten benannt, und die Atmosphäre des Viertels hat noch etwas von der Kleinteiligkeit erhalten die für diese Gegend Anfang des 20. Jahrhunderts typisch war.