Der Unterschied zwischen Bonn und Köln ist aufschlussreich. In Köln kauft man, in Bonn schaut man öfter einfach. Das klingt nach weniger, ist aber manchmal mehr: Galerien die nicht primär auf den Markt ausgerichtet sind zeigen manchmal Sachen die andernorts keinen Platz finden würden. Die Bonner Galerienszene ist klein aber konstant. Ein paar Häuser gibt es seit Jahrzehnten, andere kommen und gehen. Was bleibt ist ein Netzwerk das lose zusammenhält und sich bei Veranstaltungen wie der Nacht der Galerien in Bad Godesberg kurz sichtbar macht.

Bonn ist keine Galerienhochburg – das stimmt. Aber wer aufmerksam schaut, findet Orte die es woanders kaum gibt. Das August Macke Haus in der Nordstadt ist bekannt, weniger bekannt ist dass rund um den Hochstadenring eine Handvoll Galerien und Projekträume aktiv sind, die regelmäßig ausstellen. Das Künstlerforum Bonn existiert seit 1969 und hat mehr internationale Kooperationen als man vermuten würde. Und in Bad Godesberg läuft mit dem Kunstverein und der Galerie 62 eine kleine Szene, die einmal im Jahr bei der Nacht der Galerien gemeinsam sichtbar wird.

Nordstadt – rund um den Hochstadenring

Das Macke-Viertel in der Nordstadt ist der dichteste Kunstort Bonns abseits der Museumsmeile. Das August Macke Haus ist das bekannteste Haus hier, aber es gibt mehr:

Galerie Gisela Clement

Lotharstraße 104 · Galeriehaus

Eine der aktivsten Galerien in Bonn, seit Jahren mit klarem Profil für zeitgenössische Kunst. Regelmäßige Gruppenausstellungen und Einzelpräsentationen, auch mit internationalen Positionen. Hat den Saisonstart jahrelang mitgetragen.

Zeitgenössisch

Künstlerforum Bonn

Hochstadenring 22–24

Kein kommerzieller Raum, sondern eine Plattform für Bonner Künstlerinnen und Künstler. Das Forum organisiert eigene Ausstellungen und kooperiert mit anderen Institutionen, auch international. Die Mischung aus Ausstellungsraum und Vereinsstruktur funktioniert seit Jahrzehnten.

Non-Profit

Galerie Bernd Bentler

Friedrichstraße 55

Schwerpunkt auf zeitgenössischer Malerei und Performance. Bentler zeigt regelmäßig Positionen die im Bonner Kontext ungewöhnlich sind, mit einem Hang zu konzeptueller Arbeit. Öffnungszeiten di–fr 11–19 Uhr, sa 11–18 Uhr.

Malerei / Performance

Bad Godesberg – eine eigene Szene

In Bad Godesberg hat sich über die Jahre eine eigene kleine Galerienszene entwickelt, die vor allem durch die Nacht der Galerien sichtbar wird. Das ist ein Format bei dem sich mehrere Orte an einem Abend öffnen und Besucher von Adresse zu Adresse schlendern können. Kein Eventspektakel, eher ein entspannter Abend in einem Stadtbezirk der sonst nicht als Kunstzentrum gilt.

Kunstverein Bad Godesberg

Burgstraße 85

2000 gegründet, heute etwa 140 Mitglieder. Der Verein versteht sich als lebendiger Austauschort, nicht nur als Ausstellungsbetrieb. 2025 feierte er seinen 25. Geburtstag mit einer grossen Jubiläumsschau im Haus an der Redoute. Ein solider Akteur in der Godesberger Kunstszene.

Bad Godesberg

Galerie 62

Germanenstraße 62 · Bad Godesberg

Betrieben von Harald Gesterkamp und Irmgard Hofmann, regelmäßige Wechselausstellungen mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Malerei und Grafik. Nimmt regelmäßig an der Nacht der Galerien teil.

Bad Godesberg

Was fehlt in Bonn

Man sollte ehrlich sein: Bonn hat keine wirkliche Galerienmeile, keinen Ort wo man an einem Nachmittag durch fünf, sechs Galerien in Laufweite schlendern kann. Dafür fehlt die kritische Masse. Wer das sucht fährt nach Köln, die Zugverbindung ist gut genug dass das keine große Sache ist.

Was Bonn aber hat ist Konstanz. Die Galerien die es gibt laufen schon lange und überleben nicht durch Hype sondern durch Überzeugung. Das führt zu einem Programm das nicht immer spektakulär ist, aber selten beliebig. Für jemanden der Kunstinteresse mitbringt und keine Scheu hat auch mal in einen Raum zu gehen wo man nicht sofort weiss ob man hingehört – das kann sich lohnen.

Nacht der Galerien Bad Godesberg

Einmal im Jahr findet in Bad Godesberg die Nacht der Galerien statt. An einem Abend öffnen mehrere Kunstorte gleichzeitig, von der Galerie über den Kunstverein bis zum Haus an der Redoute. Das Konzept ist einfach: Man schlendert von Adresse zu Adresse, schaut sich an was gerade gezeigt wird und kommt dabei mit Leuten ins Gespräch die sonst vielleicht nicht in eine Galerie gehen würden.

Das Format funktioniert in Bad Godesberg gut, weil der Stadtteil überschaubar ist und die Orte nicht zu weit auseinander liegen. Kein Eventspektakel, eher ein entspannter Abend in einem Viertel das man so vielleicht noch nicht kannte. Wer die Gelegenheit hat sollte dabei sein, auch wenn man keinen Kunsthintergrund mitbringt. Die Hürde zum Reingehen ist an so einem Abend deutlich niedriger als sonst.

Kunstmessen und externe Formate

Bonn hat keine eigene Kunstmesse im Sinne einer Art Cologne oder Art Düsseldorf. Was es gibt sind kleinere Formats-Versuche und Kooperationen, manchmal im Rahmen des Kultursommers oder anderer Bonner Veranstaltungsreihen. Die Bonner Galerien sind bei solchen Gelegenheiten manchmal vertreten, manchmal lieber nicht.

Wer Bonner Kunst kaufen möchte, ist besser beraten direkt bei den Galerien vorbeizuschauen als auf Messen zu warten. Die Galeristerinnen und Galeristen kennen ihre Positionen gut und geben verlässlich Auskunft über Preise und Verfügbarkeit. Das persönliche Gespräch ist hier eindeutig das bessere Format als der Messestand.