Geschichte: vom Hoftheater zum Ausstellungsraum
Kurfürst Maximilian Franz von Österreich ließ das Gebäude zwischen 1790 und 1792 errichten, gleichzeitig mit der benachbarten Redoute. Architekt war Martin Leydel. Das Haus war als privates Kammertheater gedacht, kleiner Zuschauerraum, knapp 35 Quadratmeter, Singspiele und kurze Theaterstücke für den engsten Kreis. Gespielt wurde nur in den Jahren 1793 und 1794.
Danach wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer, wurde mal als Wohnhaus genutzt, mal stand es leer. Carl von der Heydt ließ es 1861 zu einem bürgerlichen Landhaus umbauen, und irgendwann in diesen Jahren entstand die Bezeichnung „Haus an der Redoute", die sich dann einfach gehalten hat.
Heute ist das Haus Außenstelle des Bonner Kunstmuseums und Ausstellungsort der Bezirksverwaltungsstelle Bad Godesberg. Es steht unter Denkmalschutz, was man dem Gebäude von außen auch deutlich ansieht: Klassizismus in schöner Reinform, direkt am Park gelegen.
Was im Haus gezeigt wird
Das Programm ist regional verankert. Eine Grundvoraussetzung für eine Ausstellung hier ist der direkte Bezug zu Bad Godesberg – entweder über den Wohnort oder den Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit. Das klingt nach Beschränkung, ist in der Praxis aber ein Qualitätsmerkmal. Die Ausstellungen hier sind keine Gemeinschaftsschauen wo jeder irgendetwas mitbringt, sondern kuratierte Einzelpräsentationen mit klarem Profil.
Daneben gibt es immer wieder Gruppenausstellungen Bonner Künstlergruppen wie der GEDOK, stadthistorische Schauen und gelegentlich Ausstellungen aus Bad Godesberger Partnerstädten. Das Haus nutzt die Bezirksverwaltungsstelle auch als repräsentativen Veranstaltungsort, was dem Kalender eine gewisse Vielfalt gibt. Lesungen, Kammerkonzerte, Vorträge. Kein reines Ausstellungshaus also, eher ein Kulturort mit Galeriefunktion.
Die Schwarz-Weiß-Ausstellung – ein Bad Godesberger Klassiker
Seit 1980 findet jedes Jahr zum Aschermittwoch die Schwarz-Weiß-Ausstellung statt. Ins Leben gerufen vom damaligen Bezirksvorsteher Norbert Hauser, konzipiert vom Künstler Helmut Richter-Rangsdorf. Das Konzept: Nach der bunten Karnevalszeit, nur noch Schwarz und Weiß. Keine Grautöne als Ausrede, keine Farbakzente durch die Hintertür.
Die Ausstellung hat über die Jahrzehnte eine eigene Identität entwickelt. Man weiß als Bad Godesberger Künstler ungefähr wann sie stattfindet, man bewirbt sich rechtzeitig, man kennt die Regeln. 2026 war die Eröffnung am 18. Februar, die Schau lief bis Ende März, mittwochs bis sonntags, Eintritt frei. Für 2027 nimmt die Bezirksverwaltungsstelle Bewerbungen entgegen.
Lage und Atmosphäre
Das Haus liegt an der Kurfürstenallee 1a, direkt neben dem Bezirksrathaus Bad Godesberg. Auf der anderen Seite erstreckt sich der Redoutenpark, ein englisch angelegter Landschaftspark mit schönem Ausblick auf Rheintal und Siebengebirge, wenn man dem Redoutenweg bis zur Treppe folgt.
Bad Godesberg ist ein eigenartiger Stadtteil. Früher eigenständige Stadt, früher Kurort, nach der Wiedervereinigung verloren die vielen Botschaften ihre Funktion und der Stadtbezirk steckt seitdem irgendwie in einer Identitätskrise. Für Kunstinteressierte ist das eigentlich interessant: Bonn ohne den Anspruchsdruck der Innenstadt, Strukturen die noch funktionieren aber ohne große Geste. Das Haus an der Redoute passt da gut rein.
Man kommt gut mit der U-Bahn hin, Linie 16 oder 63 Richtung Bad Godesberg, Haltestelle Rheinallee oder Stadthalle. Vom Hauptbahnhof sind das ungefähr 15 bis 20 Minuten.
Wer ausstellen möchte
Bewerbungen für Ausstellungen werden bei der Bezirksverwaltungsstelle Bad Godesberg eingereicht. Ein Gremium von Kunstexperten entscheidet, Voraussetzung ist wie gesagt der Bezug zu Bad Godesberg. Ansprechperson ist Jasmin Schillhabel, erreichbar über die Stadtverwaltung Bonn. Die Ausstellungstermine werden von der Verwaltung festgelegt, eigene Terminwünsche kann man angeben aber nicht garantiert durchsetzen.
Die Bewerbung umfasst in der Regel Arbeitsproben, einen Lebenslauf und eine Ausstellungskonzeption. Das Gremium trifft sich in regelmäßigen Abständen und plant das Programm für das folgende Jahr. Wer im Sommer 2026 ausstellen möchte, sollte sich also deutlich früher bewerben. Die Bezirksverwaltungsstelle gibt auf Anfrage Auskunft über die aktuellen Fristen.
Das Haus im Kontext Bad Godesbergs
Bad Godesberg ist ein eigenartiger Stadtteil. Bis 1969 war es eine eigenständige Stadt, dann wurde es nach Bonn eingemeindet. Als Bundeshauptstadt hatte Bonn bis 1999 seinen Regierungssitz, und Bad Godesberg war die Adresse vieler Botschaften und Ministerien. Nach dem Hauptstadtwechsel verloren diese Institutionen ihre Funktion hier, der Stadtteil hat seitdem eine Art Identitätskrise die bis heute nicht ganz überwunden ist.
Für Kunstinteressierte ist das auf eine seltsame Art interessant. Bad Godesberg hat großzügige Altbauten, gute Anbindung, einen schönen Park und eine beschauliche Atmosphäre die sich von der Bonner Innenstadt deutlich unterscheidet. Die Kunstszene hier ist kleiner und weniger ambitioniert als in der Nordstadt, aber sie ist auch weniger auf Außenwirkung ausgerichtet. Das Haus an der Redoute ist der zentrale Ort dieser kleinen Szene, und er hat eine Würde die man als Besucher wahrnimmt.
Wer einen Besuch plant verbindet das am besten mit einem Spaziergang durch den Redoutenpark. Der Park ist im englischen Stil angelegt und bietet schöne Ausblicke auf das Rheintal und das Siebengebirge. Direkt daneben liegt die Redoute selbst, das klassizistische Hauptgebäude das für Staatsempfänge und Konzerte genutzt wird. Die Kombination aus Kunstausstellung und Parkspaziergang macht aus einem Nachmittag in Bad Godesberg einen richtigen Ausflug.